Wie es angefangen hat
Mein Sohn war acht Wochen alt, als ich zum ersten Mal gemerkt habe, dass etwas nicht stimmt. Wir waren im Urlaub, abends saßen alle im Restaurant, es wurde getanzt und gefeiert, mein Sohn hat fünf Stunden am Stück geschlafen. Objektiv lief alles gut. Ich saß trotzdem da und hatte das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören.
Wir hatten uns immer vorgestellt, wir würden die entspannten Eltern sein. Unser Kind kommt überall mit hin, wir machen weiter wie vorher nur eben mit Kind. Und dann sah ich zu, wie das Leben meines Mannes scheinbar einfach weiterlief und meines nicht.
Was danach kam
Meine erste Geburt war traumatisch. Gehört habe ich danach vor allem, dass ich ja jetzt ein gesundes Kind habe und einfach nur dankbar und glücklich sein sollte. Mein Erleben kam in dieser Rechnung gar nicht vor. Zuhause war ich gereizt, hatte alles im Kopf und trotzdem ständig das Gefühl, zu wenig zu geben. Ich habe mein Kind über alles geliebt und gleichzeitig mein altes Leben vermisst und für diesen Gedanken habe ich mich geschämt.
Was mich herausgeholt hat
Ich habe Ratgeber gelesen, Podcasts gehört, mit Freundinnen gesprochen. Am Ende hatte ich unfassbar viel Wissen, aber es hat nichts verändert. Verstanden gefühlt habe ich mich bei meiner Hebamme und einer Doula. Beide haben nicht einfach gesagt, dass alles wieder gut wird, sondern, dass es nicht in Ordnung war, was mit mir passiert ist.
Es gab nicht einfach ein Wochenende nur für mich, nach dem dann alles anders war. Es war ein langer steiniger Weg mit einigen Sackgassen und Umwegen.
Warum ich heute mit Müttern arbeite
Später habe ich in der Ausbildung schwarz auf weiß gelesen, was ich vorher selbst erlebt hatte: dass es Muster gibt, die bei fast allen Müttern gleich laufen. Ich war nicht zu schwach für die Mutterschaft, sondern habe die Schuld nur die ganze Zeit bei mir gesucht.
Ich sehe zu viele Frauen, die sich für Zustände verantwortlich machen, die sie nicht allein verursacht haben und dabei immer kleiner werden. Genau das möchte ich dir ersparen.
Meine Haltung
Wer ein Instrument lernen will, übt jahrelang. Wer einen Beruf ergreift, macht eine Ausbildung.
Bei allem, was Menschen können wollen, ist es selbstverständlich, dass es Zeit braucht und dass es am Anfang nicht gut ist. Nur bei Müttern gilt das nicht. Da kommt das Kind auf die Welt, und ab diesem Tag sollst du alles wissen und alles können.
Dein Kind ist an einem Tag geboren. Aber eine Mutter wird man nicht über Nacht. Und das ist keine Schwäche, das ist einfach der Weg.
Deshalb glaubst du, dass mit dir etwas nicht stimmt. Dabei stimmt nur der Zeitplan nicht, der dir von außen auferlegt wird.
